Fachdidaktische Überlegungen zur Bildnerischen Erziehung

Kann man Kunst lehren? Was ist überhaupt Kunst?
Grundsatzfragen dieser Art begegnet der BE-Lehrer häufig und fordern von ihm eine angemessene Klärung seiner Unterrichtsstruktur und der inhaltlichen Orientierung.
Da spätestens im 20. Jahrhundert von einem einheitlichen Kunstbegriff nicht die Rede sein kann, scheint es schwierig, an einen fraglos gültigen Bezugsbereich anzuknüpfen und von dort das Lehr- und Lernbare für die Kunstdidaktik zu bestimmen. Ähnlich vielfältig wie die verschiedenen Ausprägungen und Seitentriebe im Kunstgeschehen sind auch die kunstpädagogischen Konzepte: War es bis in die 1950er Jahre die Musische Erziehung, die sich mit lebensphilosophischen, subjektivistischen Ansätzen als Ausgleich zur "Verkopfung" der Schule verstand, drängte in den 1960er Jahren der Kunstunterricht (Pfennig) zu einer verstärkt kognitiven Anwendung der bildnerischen Mittel und strukturanalytischen Werkbetrachtungen. Die Visuelle Kommunikation verstand sich dagegen als vorrangig gesellschafts- und ideologiekritische Pädagogik, die Wirkungsweisen bei den Massenmedien hinterfragte. Die Ästhetische Erziehung (Otto) beförderte vor allem die didaktisch bündige Strukturierung des Unterrichts mit einer breiten Auslegung des Ästhetischen auf alles sinnlich Wahrnehmbare. In den 1990er Jahren vergrößerte sich das Spektrum der Bezugsfelder mit den Neuen Medien: Die Aufmerksamkeit galt vermehrt dem Computer und seinen Möglichkeiten für den Einsatz im Unterricht.
In den letzten Jahren sind verschiedene Computer-Programme für die digitale Bildbearbeitung, den Videoschnitt, zur Visualisierung von Lerninhalten, für das Erstellen von Lernmedien und die Präsentation von Unterrichtsergebnissen, zudem die Nutzung der Möglichkeiten des Internets beim Suchen und Austauschen von Informationen und der fachlichen Kommunikation ein standardmäßiger Teil des BE-Unterrichts und der Lehrerarbeit geworden. Zu klären bleibt jedoch weiterhin die Frage nach den zentralen fachspezifischen Inhalten, die das Gestalterische und Sinnliche im Umgang mit Farbe und Form betreffen und nicht auf das Instrumentale und Mediative reduziert werden können. Als Aufgabe bleibt, den Kontext zu einer schlüssigen Vorstellung über Bildung zu finden und in die schulische Realität einzubringen.

Die auf dieser Site vorgestellten Schülerarbeiten aus BE wurden initiiert durch bildnerische Problemstellungen, von denen Kriterien für die praktische Arbeit abgeleitet wurden. Diese ergeben einen verbindlichen Rahmen, innerhalb dessen individuelle Lösungen möglich sind und auch gefordert werden. Gleichwertig steht dabei die empfundene Form neben der Reflexion, affektive und kognitive Lernziele sollen im Verein zu stimmigen Bildgestaltungen führen. In der Regel wurde eine Anbindung an Beispiele aus der Kunst und zur Alltagsästhetik hergestellt.

Es zeigt sich, dass im künstlerischen Gestalten nicht alles, aber vieles lehr- und lernbar ist. Entsprechend strukturierte Aufgabenstellungen verfeinern bei ausreichender Kontinuität und Konsequenz die Formsensibilität und schärfen das bildnerische Denken. Kenntnisse aus der Syntax, Semantik, Semiotik und Pragmatik bilden entscheidende Voraussetzungen zur Orientierung im Bereich der visuellen Erscheinungsformen.


Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wurde in diesem Text auf die geschlechtsspezifische Differenzierung, z. B. Lehrer/Innen, verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für beide Geschlechter.